Mein Tag beginnt üblicherweise so gegen 6.00 - aufgrund der Zeitverschiebung (-5h) bin ich meistens um diese Zeit schon munter bzw. werde ich manchmal durch lautes Kuh-Muhen geweckt. Meistens gehe ich dann gleich an den Strand laufen, denn das ist die beste Zeit dazu - es ist noch angenehm kühl und es geht noch fast kein Wind. Ausserdem ist es einfach traumhaft schön, die einsame Ruhe am Strand - nur ein paar Fischer bereiten ihre Boote vor - und Stimmung des Sonnenaufgangs zu geniessen und dabei die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf der Haut zu spüren!
Von 8.00 bis 10.00 habe ich meine erste Unterrichtseinheit - Englisch. Die Gruppe ist sehr nett - ich habe ca. 7 SchülerInnen zwischen 17 und 28, wobei leider alle ein völlig unterschiedliches Lern-Niveau haben. Während manche schon fast fließend Englisch sprechen, gelingt anderen nicht mal ein einfacher Satz... Doch inzwischen haben wir eine gute Basis gefunden, auf der wir aufbauen können.
Nach der Einheit habe ich eine lange Pause, die ich entweder am Strand oder ungefähr so verbringe...
...bis um 14.00 meine nächste Unterrichts-Einheit beginnt: Deutsch. Auch hier habe ich die selbe Gruppe, die mich ja schon am Vormittag 2h ertragen mussten! Mittlerweile sind sie meistens auch schon sehr müde (sie wurden inzwischen noch mit Mathematik gequält und müssen bzw. mussten sie arbeiten) und dadurch sind die Fortschritte hier eher mässig. Mit Uno, Kofferpacken oder Memory kann ich sie im Notfall aber immer noch bei Laune halten...
Ein Teil meiner SchülerInnen beim Deutschkurs: Anschließend schwimme ich noch ein wenig im Pool bis die Sonne untergeht und dann gibt es Abendessen. Der Spass kommt übrigens immer erst um 8! :-)
Das Unterrichten macht mir großen Spaß - es ist ein schönes Gefühl, wenn ich Fortschritte meiner SchülerInnen beobachte und vor allem auch die Tatsache, wie interessiert und motiviert die SchülerInnen sind! (und das nach fast 2 Wochen mit mir als Lehrerin!) Trotzdem werde ich mich wohl nicht so schnell daran gewöhnen, mit "Professora" angesprochen zu werden! ;-)
Eine Schülerin liegt mir besonders am Herzen. Sie konnte am Beginn des Kurses nicht mal einen vollständigen Satz auf Englisch sagen, geschweige denn schreiben. Obwohl sie schon 21 ist, scheint es als hätte sie noch nie eine Schule besucht. Mittlerweile hat sie jedoch schon so enorme Fortschritte gemacht, dass sie mich jedes Mal aufs Neue erstaunt! Sie hat zwar ihr eigenes Tempo - und das ist meistens wesentlich langsamer als bei den anderen - aber dafür sind die Ergebnisse dann umso beeindruckender! Und vor allem lässt sie sich nicht unterkriegen - sie ist jeden Tag aufs Neue so motiviert und interessiert!
Dennoch ist es trotz der vielen positiven Erlebnisse auch manchmal etwas mühsam. Da im Projekt Jugendliche unterstützt werden, die aus eher "schwierigen Verhältnissen" kommen, sind auch einige dabei, die mitunter etwas "lebhaft" sind und dadurch den Unterricht stören. Das ist nicht immer einfach und für mich eine Herausforderung. Es ist ausserdem schwierig, einen vernünftigen Rhythmus zu finden, nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Lern-Niveaus. Montag und Dienstag sind die SchülerInnen meistens noch müde vom Wochenende, gegen Mittwoch schafft man vielleicht ein paar Fortschritte und bis Freitag sind alle schon wieder mit den Gedanken im bevorstehenden Wochenende oder völlig müde von einer anstrengenden Arbeitswoche...!
Leider muss ich meine Englisch-Gruppe nächste Woche abgeben, da ich ab nun auch in der öffentlichen Schule unterstützend tätig sein werde. Ich bin zwar etwas traurig, vor allem weil wir jetzt so eine gute Basis und so enorme Fortschritte geschafft haben, aber andererseits freue ich mich auch schon sehr auf die Arbeit mit Kindern! Ich bin sehr gespannt!
Atê mais!
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